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Sialorrhoe behandeln

Wer hilft mir weiter?

Sialorrhoe erfordert die Zusammenarbeit vieler verschiedener Ärzte, da eine Vielzahl an Erkrankungen die Ursache einer Sialorrhoe sein kann. Daher ist es besonders wichtig, auch bei der Behandlung der Grunderkrankung die passenden Spezialisten zu Rate zu ziehen. Dazu zählen beispielsweise Neurologen oder Neuropädiater.
Oft wird eine Sialorrhoe durch den Hausarzt erkannt. In der eigentlichen Therapie der Sialorrhoe spielen aber auch verschiedene auf den Mundbereich spezialisierte Ärzte eine Rolle, wodurch sich ein interdisziplinäres Behandlungsteam ergibt:

  • HNO-Arzt
  • Zahnarzt
  • Kieferorthopäde
  • Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg
  • Logopäde

Die Sialorrhoe ist ein vergleichsweise spezielles Symptom, dass neben anderen Symptomen einer Grunderkrankung auftritt. Es ist gut möglich, dass der Hausarzt oder Internist die Grunderkrankung ihrer Sialorrhoe nicht kennt oder die Symptome irrtümlich einer anderen Erkrankung zuordnet.
Sollten Sie Anzeichen auf eine Sialorrhoe bei sich bemerken, bitten Sie Ihren Hausarzt deswegen um eine Überweisung an einen Neurologen. Auf diese Weise kann eine Odyssee von Arzt zu Arzt verhindert werden.

Therapieziele- und Optionen

Als bedeutendes Ziel der Therapie steht eine Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Je nachdem, wodurch die Sialorrhoe bedingt ist, ist eine vollständige Heilung jedoch nicht immer möglich. Um in solchen Fällen trotzdem die bestmögliche Lebensqualität zu erzielen, wird viel Wert auf die Verminderung der Speichelproduktion, sowie die Verbesserung des Speichelabflusses oder der Schluckfähigkeit gelegt.

Es ist wichtig, dass Ihre Erwartungen an die möglichen Therapieziele mit der Realität übereinstimmen. Andernfalls können die Ergebnisse enttäuschend sein, auch wenn sie aus medizinischer Sicht ein Erfolg sind.
Sprechen Sie über Ihre Erwartungshaltung offen mit Ihrem Arzt. Er kann realistische Therapieziele formulieren.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich überprüft der Arzt als erstes die optimale Einstellung der Medikamente zur Behandlung der Grunderkrankung der Sialorrhoe. Daneben gibt es verschiedene Therapieansätze, die die individuellen Patientencharakteristika berücksichtigen sollen und ein optimales Therapieergebnis als Ziel haben:

  • Konservativ
    • medikamentös
    • nicht-medikamentös
  • Chirurgisch

Konservativ, nicht-medikamentös

Verschiedene nicht-medikamentöse Therapiemethoden können zur Verbesserung der Symptome beitragen. Bei Problemen mit dem Speichelabfluss, die durch Schluckblockaden bedingt sind, kann ein Verhaltenstraining oder eine logopädische Therapie Abhilfe schaffen. In dieser Form der Therapie können Schlucktechniken erlernt und im Alltag gefestigt werden. Auch eine Ergotherapie im Gesichtsbereich, bei der die Funktion des Kiefers normalisiert wird, stellt eine Behandlungsmöglichkeit dar. Um den Speichelfluss ohne Medikamente zu reduzieren wird bei manchen Patienten auch die Bestrahlung der Speicheldrüsen eingesetzt.

Konservativ, medikamentös

Bei medikamentöser Behandlung kann der Einsatz von Anticholinergika, wie Scopolamin oder Atropin, hilfreich sein. Diese hemmen die Produktion von Speichel und reduzieren somit auch die ausfließende Menge. Ihre Wirkung erzielen sie durch die Blockade der sogenannten Muscarin-Rezeptoren, welche im Normalfall die Bindung des Botenstoffes Acetylcholin ermöglichen und so die Erregung der Speicheldrüse erwirken. Durch die Anticholinergika kann die betroffene Speicheldrüse ihrer Funktion nicht mehr nachgehen.

Da Acetylcholin in diversen Körperregionen eine Rolle spielt, ist eine Hemmung seiner Funktion auch oft mit Nebenwirkungen verbunden. Zu diesen zählen vor allem bei älteren Patienten Verwirrtheit, Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung, Verstopfungen oder Hitzegefühl.

Es ist wichtig, dass Sie sich bei einer medikamentösen Behandlung immer von Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen aufklären lassen.

Chirurgisch

Lässt sich der Abfluss des Speichels nicht anders in den Griff bekommen, oder sind konservative Therapien ausgeschlossen und wenig erfolgversprechend, kann der Arzt sich für einen chirurgischen Eingriff aussprechen. Doch eine einzige optimale Operation, die für jeden Patienten geeignet ist, existiert auch dabei nicht. Je nach Erkrankung kann eine Verödung der Speicheldrüsen oder ein Umlegen und Verschließen der Speichelausführungsgänge bereits eine Verbesserung erzielen. Falls dies nicht genügt, können die Nerven, die die Funktion der Speicheldrüsen regulieren durchtrennt werden, um die Speichelproduktion zu reduzieren. Auch eine komplette operative Entfernung der Drüsen kann von Nöten sein.

Je nach Grunderkrankungen sind unterschiedliche Ärzte für die Behandlung mitverantwortlich. Zur optimalen Behandlung finden Sie unter Links & Adressen [Verlinkung] einen Fachmann, der auf die Therapie ihrer Erkrankung spezialisiert ist.

Therapie mit Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist eines der stärksten bekannten Nervengifte (Neurotoxin) der Welt. In der Medizin wird es allerdings in so geringen Dosen genutzt, dass ein Einsatz unbedenklich ist. Daher wird es in der Medizin schon seit vielen Jahren eingesetzt. Der Wirkstoff wird unter kontrollierten Bedingungen aus Kulturen des Bakteriums Clostridium botulinum gewonnen und in Form eines Medikaments aufbereitet. Aufgrund der starken Wirkung von Botulinumtoxin reichen wenige Milliardstel eines Gramms bereits aus, um Muskelverkrampfungen zu lösen oder die Funktion der Speicheldrüsen zu hemmen. Ob in der kosmetischen Medizin zur Reduzierung von Falten oder in der Behandlung von krankhaften Muskelanspannung wie Spastik oder Dystonie: das Neurotoxin zeigt eine Vielzahl guter Ergebnisse.

Botulinumtoxin – wie hilft es bei Sialorrhoe?

Botulinumtoxin wirkt wie die Anticholinergika auf den Neurotransmitter Acetylcholin, aber wesentlich beschränkter, da es direkt in die Speicheldrüsen injiziert wird und dort lokal wirkt. Es ist in der Lage die Wirkung des aus der Synapse freigesetzten Neurotransmitters Acetylcholin auf die Speicheldrüse zu vermindern. Im Fall von Sialorrhoe wird dadurch die Funktion der Speicheldrüsen Speichel zu produzieren deutlich vermindert. Die Blockade durch Botulinumtoxin, verursacht, dass die Speicheldrüse nicht mehr durch neue Signale von Acetylcholin zur Arbeit angeregt wird. Eine geminderte Sekretion von Speichel führt dazu, dass Patienten weniger schlucken müssen und minimiert den Ausfluss aus dem Mund. Im Gegensatz zu anderen Präparaten ist Botulinumtoxin dabei verhältnismäßig nebenwirkungsarm.

Wie wird Botulinumtoxin angewendet?

Da jeder Patient unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringt, muss die Therapie individuell geplant werden.

Die eigentliche Verabreichung des Medikaments erfolgt mittels Injektion über eine feine Spritze, bei der Botulinumtoxin direkt in die Speicheldrüsen gegeben wird. Hierbei muss beachtet werden, in welche Speicheldrüse der Wirkstoff injiziert wird. Meist wird in die Ohrspeicheldrüse ( Glandula parotidea) und in die Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) injiziert.

Die Wirkung stellt sich meist wenige Tage nach der Injektion ein. Bei Erwachsenen hält diese für ungefähr 16 Wochen an, bevor die Konzentration des Botulinumtoxins vom Körper soweit abgebaut wurde, dass eine neue Injektion notwendig ist.

In der Medizin wird Botulinumtoxin in kontrollierter Dosis dazu eingesetzt die Aktivität der Speicheldrüsen vorübergehend zu mindern.

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