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Sialorrhoe, was ist das?

Als Sialorrhoe wird ein unkontrollierter Speichelfluss bezeichnet, der dazu führt, dass der Speichel nicht im Mund behalten werden kann. Die Aussprache kann feucht sein und der Speichel tropft möglicherweise auf die Kleidung. Daher sind Betroffene häufig beschämt und meiden die Öffentlichkeit. Bei der Sialorrhoe spielen vor allem eine verminderte Schluckfähigkeit und/oder eine erhöhte Speichelproduktion (Hypersalivation) eine Rolle. Die unangenehme Begleiterkrankung tritt häufig bei Patienten mit neurologischen Grunderkrankungen auf. Für den Betroffenen bedeutet die Sialorrhoe meist eine starke zusätzliche Einschränkung im Alltag, die sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann.

Grundlagen

Speichel wird von den Speicheldrüsen im Mundraum in kleinen Mengen kontinuierlich und beim Essen vermehrt gebildet. Beidseitig sind in der Mundhöhle drei große und mehrere hundert kleine Speicheldrüsen dafür verantwortlich. Bei den großen Drüsen handelt es sich um die Ohrspeicheldrüse, die Unterzungenspeicheldrüse und die Unterkieferspeicheldrüse. Der Speichel hilft bei der Vorverdauung der aufgenommenen Nahrung und schützt Mundhöhle, Schleimhaut und Zähne vor Krankheitserregern.
Im gesunden Menschen beträgt die Speichelproduktion rund 1-1,5 l pro Tag. Charakteristisch für die Sialorrhoe ist, dass der Speichel vom Betroffenen nicht mehr ordnungsgemäß geschluckt werden kann. So kommt es zum Ausfluss des Speichels aus dem Mund.

Die Sialorrhoe bezeichnet das unkontrollierte Ausfließen von Speichel aus dem Mund. Sie ist abzugrenzen von der vermehrten Speichelproduktion (Hypersalivation), kann aber mit dieser verbunden sein. Häufig werden die Begriffe Sialorrhoe und Hypersalivation als Synonym verwendet.

Bei einer akuten oder chronischen Sialorrhoe mit Hypersalivation (medizinscher Begriff für einen vermehrten Speichelfluss) kann die produzierte Menge an Speichel auf 3,5 ml pro Minute ansteigen und beträgt somit bis zu 5 l am Tag.

Speichel wird in den Speicheldrüsen gebildet. Bei einer Sialorrhoe kann der Speichel nicht richtig abgeschluckt werden. Zusätzlich kann sie mit vermehrter Speichelproduktion (Hypersalivation) assoziiert sein.

Wie kommt es zur Sialorrhoe?

Die Sialorrhoe kann als primäre Erkrankung auftreten. Das bedeutet, dass sie von keiner bestehenden Grunderkrankung ausgelöst wird, was jedoch nur selten der Fall ist. Das seltene Auftreten dieser Form der Sialorrhoe erschwert die Aufdeckung der zugrundeliegenden Ursache. In vielen Fällen tritt sie plötzlich und akut nur für einen kurzen Zeitraum auf.

Es ist jedoch in der Regel eine bestehende Grunderkrankung für die Entwicklung einer Sialorrhoe verantwortlich. Oft wird die Sialorrhoe durch neurologische Erkrankungen begünstigt. Doch auch anatomische Fehlbildungen, eine geschwächte Funktion der Gesichtsmuskulatur, Frakturen, Entzündungen, Verletzungen durch Operationen oder Fisteln im Mundbereich, sowie viele weitere Erkrankungen können die Entstehung hervorrufen.

Ursachen der Sialorrhoe

Zu den häufigsten Ursachen der Sialorrhoe gehören Erkrankungen des Nervensystems. Vor allem bei Morbus Parkinson-Patienten und bei ALS-Patienten (Amyotrophe Lateralsklerose) tritt die Sialorrhoe häufig auf. Aber auch ein Schlaganfall oder verschiedene Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich, die die Schluckfunktion beeinflussen, können zu einer Sialorrhoe führen. Daneben können bestimmte Medikamente (vor allem Neuroleptika) sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen bei Kindern eine Sialorrhoe begünstigen.

Sialorrhoe wird von Personen im Umfeld der Betroffenen leider oft fälschlicherweise als Zeichen psychischer Einschränkung wahrgenommen. Ursächlich sind aber meist andere Grunderkrankungen.

Innervation der Speicheldrüsen

Die Steuerung der Speichelbildung erfolgt über das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). An den Speicheldrüsen wirken das sympathische und parasympathische Nervensystem zusammen. Sympathische Fasern steigern vor allem an der Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) die Produktion eines schleimhaltigen Speichels. Der Parasympathikus fördert an allen Speicheldrüsen die Herstellung eines wässrigen Speichels. Neurologische Störungen können daher häufig die Ursache der Sialorrhoe sein.

Der Zusammenhang von Sialorrhoe und Schluckstörungen

Der Schluckvorgang ist komplex und soll sicherstellen, dass wir Nahrung, Flüssigkeit und Speichel vom Mund zum Magen befördern können ohne, dass beispielsweise Nahrung in die Luftwege gelangt. Bei einer Störung des Schluckvorgangs kann Nahrung oder Speichel unkontrolliert in die Lunge gelangen, was zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen kann. Die Sialorrhoe ist damit Teil der Schluckstörung oder auch eine Sonderform der Schluckstörung.

Symptome

Wie erkenne ich eine Sialorrhoe?

Merkmal der Sialorrhoe ist das unkontrollierte Ausfließen von Speichel aus dem Mund. Nimmt dies bedenkliche Ausmaße an, beginnt die Diagnose der Erkrankung in den meisten Fällen durch die ausgiebige Anamnese des behandelnden Arztes. Sind bestehende Grunderkrankungen bekannt, lassen diese möglicherweise schnell einen Rückschluss auf die Ursache der Sialorrhoe zu. Falls sich eine Sialorrhoe ohne bekannte Erkrankung einstellt, muss in der Anamnese auch nach möglichen noch nicht diagnostizierten Grunderkrankungen gesucht werden.

Die Untersuchung der Schluckfähigkeit steht besonders im Fokus. Bei Verdacht auf ungewolltes Verschlucken von Speichel oder Nahrung in die Atemwege muss der Schluckvorgang im Detail untersucht werden. Diese Untersuchung wird als fiberoptische endoskopische Schluckevaluation (FEES) bezeichnet und wird meist von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten oder Logopäden durchgeführt. Um auszuschließen, dass eine Verengung der Speiseröhre vorliegt, kann eine Gastroskopie (endoskopische Untersuchung der Speiseröhre und des Magens) oder eine Röntgen-Videofluoroskopie (nach Schlucken eines Kontrastmittels werden während des Schluckens Röntgenbilder aufgenommen) eingesetzt werden. Auch eine Einschätzung über die ausfließende Speichelmenge sollte gegeben werden.

Begleiterscheinungen der Sialorrhoe sind:

  • Scham
  • Minderwertigkeitskomplexe
  • Depression
  • Ablehnung durch Andere
  • Abhängigkeit von Angehörigen
  • Sozialer Rückzug
  • Stigmatisierung
  • Verschlucken, Entzündung der Lunge
  • Wunden und Entzündungen um den Mund
  • Einnässen von Wäsche, Kissen
  • Hautveränderungen
  • Mundgeruch
  • Dehydration, die langfristig zu Müdigkeit, Schwäche und Schwindel führen kann

Obwohl Sialorrhoe unbehandelt viele Begleiterscheinungen mit sich bringt, ist ein Großteil der Patienten damit nicht in ärztlicher Behandlung. Erst durch die ärztliche Behandlung, in vielen Fällen beim Neurologen, kann gezielt gegen die Symptome gearbeitet werden.

Bei Schluckstörungen kann eine Aspiration, also das Einlaufen von Speichel in die Atemwege problematisch werden. Es droht eine Aspirationspneumonie, eine Form der Lungenentzündung. Die Behandlung und der Umgang mit Sialorrhoe ist also klinisch unbedingt ernst zu nehmen.

Wie klassifiziert man die Sialorrhoe?

Bei der Klassifikation der Sialorrhoe wird zwischen einer momentan auftretenden (akuten) und einer chronischen Sialorrhoe unterschieden. Die akute Sialorrhoe kann beispielsweise durch eine Entzündung ausgelöst werden. Eine weitere Klassifikation der Sialorrhoe ist oft nur durch subjektive Einschätzung der behandelnden Ärzte möglich. Dazu dienen Schätzskalen, die durch eine Einordnung in verschiedene Kategorien ein Bild über die Speichelproduktion geben und den Schweregrad sowie die Häufigkeit des Speichelflusses einteilen. Eine solche Einteilung wird im Verlauf der Therapie regelmäßig beobachtet um eventuelle Verbesserungen oder Verschlechterungen des Patientenzustandes schnellstmöglich zu erkennen.

Schweregrad

  1. Trocken (kein Speichelfluss)
  2. Leicht (nur die Lippen sind nass)
  3. Mäßiggradig (Lippen und Kinn nass)
  4. Schwer (Wäsche befeuchtet)
  5. Profus (Wäsche, Hände und Tisch feucht bzw. nass)

Zusätzlich kann der Schweregrad klassifiziert werden durch die

  • Anzahl der erforderlichen Taschentücher pro Zeiteinheit
  • Anzahl der erforderlichen Kleiderwechsel pro Tag
  • Schweregrad der perioralen Hautveränderungen und Infektionen

Häufigkeit

  1. Niemals Speichelfluss
  2. Gelegentlich Speichelfluss (einmal täglich)
  3. Häufiger Speichelfluss (mehrmals täglich)
  4. Konstanter Speichelfluss, beispielsweise durch eine Entzündung

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